Blinddarm, Darm … !?
Früehlig 2015 – 2ti Geburtstag
Früehlig 2015
Für s Wuche-Änd iikauft, mach i mi mit mim Chorb uff dr Wäg zum Parkplatz. E ganz normale Samschtig, doch das sött nid so blybe. I ha dr Chorb in Kofferruum gstellt und bi zum Istiege zur Fahrertür gange. Wo i d Tür uffgmacht ha und zum Istiege mis rächte Bai glupft ha, het`s mir in die linggi Hüftsyte gstoche, wie wenn mir bim Renne e Sytestäche kriegt. I bi zwar blybe stoh, aber fascht ykniggt. Wie am Afang gsait: e ganz normale Samschtig -Vormittag. Körperlich absolut kei Problem, im Gegeteil. I bi am Morge mit vollem Elan zum Bett us. Jedoch in däm Augebligg grad s Gegeteil. Was isch los? Das git s jo nid, spinn i?
Do i scho sit e paar Joor uff dütscher Syte am Rhy gwohnt ha und dä Schmärz sogar bim Sitze chuum usghalte ha, bin i churz e paar Stroosse witter zum domolige Ex-Schatz. Mir hänn e Top-Verhältnis gha und sin öfters am e Samschtig zämme go i chaufe. Wunderbar, sie isch Dehai gsi! Het’s chuum glaubt und mi sofort bätte, uffs Sofa z liege. Sie het nit lang gfagglet, het dr Telefonhörer gnoo und Minute spöter stoht dr Chrankewaage vor dr Huustür. I bi chriedebleich gsi. Wow, was goht doo ab!?
Noch eme churze Check hänn sie mi iiglade und ab ins Spital. Was um mi ume passiert isch, han i scho gar nümm rächt wohr gno. I bi gschoggt gsi. Mi erschti Fahrt in e me Chrange-Waage doch i ha mi guet uffghobe gfühlt. Jetzt hän`s „Spezialischte“ in d Händ gno.
Schtunde spöter am Nomidaag zwüsche drei und vier, bin i unter em Mässer glääge und mir isch dr Blinddarm usegno worde. Wow, Gligg gha! Doch was jetzt cho isch, chan i gar nid in Wort fasse. Denn trotz zuekünftig andere deftige Schiggsalsschlääg, isch das au us hüttiger Sicht no, dr greescht Albtraum i mim Lääbe gsi. Viellicht het’s das bruucht, um die andere Bevorstehende z überstoh, doch hätt i gärn, sehr gärn druff verzichtet. Denn am seelische Bruch naag i hüt no.
Durch die sogenannti Schlüsselloch-Technik han i drey duumegrossi Löcher in Buuch kriegt. Doch noch dr OP sin d Entzündigswärt im Bluet, eifach nid gsungge. Feschti Nahrig isch gschtriche worde, debie han i sit em Ufstoh am Morge jo no gar nüt gässe. Kriegt han i Medis gäge Schmärz und flüssigi Nahrig. So isch’s witergange und nüt het sich gänderet.
Elf Daag spöter isch dr näggscht Iigriff bevor gstande. Daas, will näbe de Entzündigswärt au d Darmflora nüm rächt het welle. Kei Wunder bi dere Choscht. Dismool isch nüt mit Schlüsselloch-Technik gsi. Sie hän mr de Buuch uffgschnitte und mit e me Wundschpraizer offe bhalte. Dr ganz Dünn- und Dickdarm (fünf bis acht Meter) frey glegt und abtaschtet und noch em Ursprung vo dr Entzündig gsuecht. Am Übergang vom Dünn- zum Dickdarm hän sie e Entzündig entdeggt und mir ca. 60 Zentimeter usegschnitte. E Stück dervo isch zur Untersuechig uf „Morbus Crohn“ an d Pathologie gschiggt worde. Derno isch dr komplett Buuchruum gschpiilt worde, de Darm wieder iinegleit und wieder gschlosse worde. Unvorschtellbar! Und de Blinddarm? Hät das gar nid miesse sii?! E Schnitt, vu churz under em Buuch-Nabel bis uffe, Mitti Buuch. Was soll denn dass, de Buuch-Nabel isch wäg. S het usgseh, als hät eine drin uume guuslet.
Um das Befinde und en Ydrugg chöne z kriege was während däm Ygriff vor sich gange isch, han i do de Arztbricht eso übersetzt, dass är für Laye e weneli verständlicher isch:
1. Vorbereitung und Öffnung des Bauches
- Rückenlage & Antibiotika: Der Patient liegt flach auf dem Rücken. Er erhält bereits ein starkes Antibiotikum, um die Entzündung und Infektionen zu bekämpfen.
- Desinfektion & Abdeckung: Die Haut wird mit einem Desinfektionsmittel gereinigt, und der OP-Bereich wird mit sterilen Tüchern abgeklebt.
- Der Schnitt: Die Bauchdecke wird mit einem geraden Schnitt in der Mitte (vom Brustbein Richtung Bauchnabel) geöffnet, um in die Bauchhöhle zu gelangen.
- Sicht schaffen: Ein spezielles Haltesystem wird eingesetzt, um die Bauchdecken auseinanderzuhalten, damit die Chirurgen freie Sicht auf die Organe haben.
2. Der Befund und das Freipräparieren des Darms
- Der Befund: Im rechten Unterbauch zeigt sich das Problem. Der Blinddarm/Anfang des Dickdarms ist massiv entzündet. Durch die Entzündung haben sich dort die Dünndarmschlingen stark miteinander verklebt. Das Ganze hat sich zu einem festen, entzündlichen Gewebeknäuel (Konglomerattumor) geformt (Hinweis: „Tumor“ bedeutet hier medizinisch Schwellung/Gewebemasse, nicht zwingend Krebs).
- Darm lösen: Der letzte Abschnitt des Dünndarms wird vorsichtig mit einer elektrischen Schere gelöst. Danach wird der rechte Dickdarmabschnitt von der seitlichen Bauchwand gelöst. Dabei schneiden die Ärzte entlang einer natürlichen Schicht im Körper.
- Gewebe trennen: Die Biegung des Dickdarms auf der rechten Seite unter der Leber wird teilweise gelöst. Dazu nutzen sie das LigaSure, ein modernes Gerät, das Gewebe und Blutgefässe gleichzeitig durch Hitze versiegelt und durchtrennt.
3. Entfernung des kranken Darmabschnitts und neue Verbindung
- Grenzen festlegen: Die Ärzte bestimmen, wo genau sie schneiden: Am Ende des Dünndarms und im oberen Teil des aufsteigenden Dickdarms. Alles dazwischen wird entfernt. Das dazugehörige Aufhängeband des Darms, das die Blutgefässe enthält, wird mit dem LigaSure durchtrennt.
- Vorbereitung der Verbindung: Der Dünndarm wird mit einer Spezialklemme abgebunden. Es wird eine Naht rundherum gelegt. Darin wird das Gegenstück eines runden Klammernahtgeräts eingesetzt und festgezogen.
- Die neue Verbindung: Am Dickdarm wird auf der Seite ein kleiner Schnitt gemacht. Dort wird das Hauptgerät des Zirkularstaplers eingeführt. Das Gerät führt die beiden Darmenden zusammen, schiesst winzige Titanklammern hinein und verbindet so das Ende des Dünndarms mit der Seite des Dickdarms.
- Abschnitt abschneiden: Der kranke Dickdarmteil wird nun mit einem geraden Klammernahtgerät endgültig abgeschnitten. Dabei wird auch das Loch mit entfernt, durch das das Gerät in den Dickdarm eingeführt wurde.
4. Kontrolle und Verschluss
- Alles perfekt: Das OP-Team kontrolliert das Ergebnis. Die neue Verbindung ist hervorragend durchblutet, komplett dicht und der Darm ist offen und durchgängig. Das ist extrem wichtig für eine gute Heilung.
- Lücke schliessen: Durch das Entfernen des Darmteils entsteht eine Lücke im Aufhängeband des Darms. Diese Lücke wird mit einem sich von selbst auflösenden Faden fortlaufend zugenäht, damit sich darin später keine Darmschlingen verfangen können.
Zusammenfassung
Die Operation verlief absolut planmässig. Der entzündete Gewebeblock im rechten Unterbauch wurde sicher entfernt, und die neue Verbindung zwischen Dünn- und Dickdarm steht und ist vollkommen funktionstüchtig.
E Schogg und, Frooge über Frooge. Feschts Ässe isch natürlich immer no tabu, eigentlich scho sit em erschte Daag. Das isch jedoch zur Näbesach worde. I bi noch däm Iigriff nid im Ufwachruum glääge, sondern uff dr Intensivstation. E Pfleger het mir noch em Wachwärde gsait, ich krieg Bsuech vom Arzt. Chuum erwähnt, chömme drey Ärzt, nid eine. E Bild, wo i hüt no vor mr gseh: Drey Ärzt schtöhn am Fuess vom Bett und luege mi aa. Dä Arzt, wo`s Wort ergriffe het, het sich als operierende Arzt vorgschtellt und gmeint, es sig alles ok. Sie häbe d Ursach vo dr Entzündig gfunde, aber i heb sini zwei Kollege vo dr Anästhesie ganz schön ins Schwitze brocht. Sie hän mi während dr OP zweimool miesse reanimiere. Drum sig i uf d Intensivstation verlegt worde. Wouw, das het mr d Schprooch verschlaage! Richtig bewusst was do anschienend abgange isch, wird’s aim ersch, wenn wieder elei do liegsch.
Au dä Iigriff het nid zum erwünschte Erfolg gführt. Dr Darmtraggt isch churz vor em Erliege gschtande und het trotz Medikamänte e kei Besserig zeigt. Mr sin nid drum ume cho. I bi uff d Überwachigs-Station verlait worde. S Bindeglied zwüsche Normal- und Intensivstation. Es het e mehrtägigi 24 Std. Überwachig gfolgt, wo sie flexibel d Schmärzmittel hän chönne reguliere. Mit ere Maagesonde, wo über d Nase glait worde isch, hän sie zum Gligg immer weniger aagstauti Maage- und Wundflüssigkeit müesse abgsuuge. Das isch s Zeiche gsi, dass dr Darm langsam aber sicher wieder ins Rolle chunnt. Gliichzytig han i zum s Atme z erlichtere e Maske drait , denn d Lunge het sich wieder normal mit Suuerstoff miesse fülle. Ernährt worde bin i parenteral, sprich über e Veene am Maage-Darm-Trakt verbii.
Als Tüpfli uff em i: D Wundheiligg isch nid gnueg guet gsi. Will sie Entzündigsflüssigkeit und Eiter hän miesse abloo, isch die zuegnaiti Operationsnarbe wieder uffgmacht worde. Kei Wunder seht’s hüt us wie ‚e Gemetzel‘. Me het mr e VAC-Pumpi aaghängt, wo mit liechtem Unterdrugg vorzue s Wundsekret abgsuggt het, damit’s au vo inne här cha heile. Gliichzytig het ändlig dr Koscht-Ufbau aagfange, i ha’s chuum chönne glaube! Vo Flüssignahrig über Schonkost zu normalem Ässe.
Denn isch dr Bricht vo dr Gwäbprob bezüglich Morbus Crohn cho. Im Vier-Auge-Prinzip isch feschtschtellt worde, dass Morbus Crohn nid noochwysbar sig. Dr Patholog het das Gwäb im Labor in mehreri fyni Schichte müesse schniede und under em Mikroskop chönne feschtschtelle, dass kei diefer ligendi, verändereti Zälle vorhande gsi sin. Das isch für mi e chleine Liechtbligg gsi und e beruhigende Momänt. Doch so langsam het mir au dä langi Uffenthalt, schwer uffs Gmüet druggt.
Fasch fünf Wuche noch em Iitritt, han i s Spital dörfe verloo. Es isch für mi wie e Neugeburt gsi. Zwar wie duur e Fleischwolf gloo, aber blaue Himmel über em Chopf, früschi Luft, so muess s Gfiehl vo Freiheit si! I ha dörfe Auto fahre, ha aber e Schluch us em Buuch gha und uff dr rächte Syte das VAC-Gerät, wo usgseh het wie en alte Walkman us de 80er Joor. Im Rhythmus het`s Wundflüssigkeit abgsuggt, was me au ghört het. I weiss no, wo i s erscht Mool bi go poschte und in dr Reihe an dr Kasse gschtande bi: S Grät het afoo suuge und blubbere. Die Bligg vo de Lüt, unvergässlich.
I ha miesse für de Verbandswächsel und zum Leere vom Grät jewiils ins Spital, und ha zur Kontrolle sächs Wuche spöter e Darmspiegelig gha. Es isch alles iiwandfrey verheilt und vor allem dicht gsi. Myni Danggbarkeit han i in Wort, nid chönne usdrugge. Drby muess i erwähne, dass während mim Uffenthalt notfallmässig e ca. fünf Joor ältere Ma, sprich e zuekünftige Zimmergnoss us em Wälsche, iigflooge worde isch. I ha erläbt, wie me ihm nooch sinere Not-OP mitteilt het, dass är das Chäschtli uff sinere Syte, zuekünftig immer träge muess. Wouw, denn han i jo eimool mehr e riese Gligg gha, dass i mins noch positiver Heilig wieder ha chönne abgeh! S Verruggte erfahr ich erscht nochhär vo ihm. Usgseh het das Chäschtli wie das wo ich gha ha, aber… Hejjoo, es cha jo nid sii, dass är bis ans Lääbensändi Wundwasser produziert. Är het gar kei Maage mehr gha, wo het chönne Nahrig verdaue. Bi ihm isch d Nahrig während em Ässe diräkt in das Chäschtli gloffe. Das het är eifach jedesmool uff dr Toilette miesse leere. Das het en fertiggmacht. Für mi unvorstellbar. Ca. vier Dääg noch däm är das erfahre het und scho het miesse aawände, frooge mi a me ne Morge d Pfleger, ob ich ihn neume gseh ha. Nei, kei Aanig. Ich ha ihn denn nie me gseh, aber d Pfleger hän mr spöter gsait, dass är im Spitalhemd usserhalb vom Spitalgländ gfunde worde sig. Sitzend uff ere Bangg. Är heb anschienend eifach nümme welle.
All das isch dr Grund worum ich das Erläbnis hüt no, als eins vo mim gröschte „Alptraum“ a lueg.
Mit Narbe übersäit… – doch i sitz hüt no doo! Elf Joor spöter, mit e me dämentsprächend guete Elan, und i dörf am Lääbe witerhin teilnäh. Mit 62ig e Leischtigsvolume, wie vumene 75 Jährige. Psychisch und physisch ok. Aber dä Abligg im Mittelpunkt vom Körper wo me täglich seht, isch in dr Seele hänge bliibe. De einzig Hiiwies, dass me als Lääbewese emol duur e Nabelschnuur mit ere Muetter verbunde gsi isch, wägg.
Dorum chehr i jetzt s Blatt.
Halt dr vor Auge: Es cha passiere, wie wenn uff em Tisch e Glas umgheit, e Öpfel vom Baum fallt oder bim fahrende Auto e Insekt an d Schiebe klatscht. Und in dr nägschte Schtund cha s Lääbe Vergangeheit sii und du realischiersch es nid emol. Dr Verluscht vo mim Buchnabel und die grossi Narbe sin nümm länger e Zaiche vo Entschtellig, sondern mi perseenligi „Chriegs-Bemoolig“! Jede Zentimeter vo däre Narbe schtoht defür, dass i domool die schwerschti Entzündig und die 60 Zentimeter Darm-Entfärnig inklusiv Reanimation, überlääbt ha. Sie isch dr Bewiis für e gwaltige Lääbenswille und au viel, sehr viel Gligg. Me isch sälber erschtuunt, wie viel Chraft cha uffchoo, wenn s Lääbe am siedende Faade hängt. Dorum isch das mi zweiti Geburtstag worde, wo i jedes Joor churz innehalt.
Wenn i zrugg lueg sin s drei Abschnitt gsi:
1. Dr Schock vo dr Diagnose: Wie sich’s aafühlt, wenn us eme sogenannte Routine-Iigriff plötzlig e lääbensveränderndi und bedrohlichi A-Gläägehait wird.
2. Dr Verluscht und d Akzeptanz: Miesse ehrlich drzue chönne schtooh, wie schwer’s gsi isch, dr veränderti Körper im Spiegel z akzeptiere und wie tief die seelischi Wunde sitze cha.
3. Dr Wändepunkt: Dass trotz seelischem Schmärz und em neue A Bligg, d Dankbarkeit dass es darf witter goh, Oberhand gwünnt.
„Vermuetlich het mi dä Kampf mit Unterstützig vo mine Liebschte und de Schutzängel nur stärker gmacht, für alles wo no bevor gschtande isch.“
Apropo: Mit däm Betrag, wo die 27 Täg koschtet hän, hätt me locker s Zweit e mehrmonatigi Wältrais chönne gniesse. Doch was schpielt s Gäld für e Rolle, wenn’s um Lääbe und Tod goht. Mitnäh chönne mir au nüt. Und wie guet unser Gsundheitssystem trotz kontinuierlich schtiigende Choschte isch, wird aim ersch bewusst, wenn mr sälber devo betroffe sich.
Mr wüsse’s alli, doch s Wüsse elai längt nid. Lieber e Darmspiegelig z viel, und me cha viellicht e mängs schwere Komplikatione us em Wääg go. Lieber e Griff zum Notfall-Telefon z viel, defür cha’s sii, dass me in Gnuss vo mene längere Lääbe chunnt.
