e „Brenne“ uf dr Bruscht!

Herbscht 2015 – 3ti Geburtstag

Herbscht 2015

Mitte in dr Nacht am Zwei, vum Mäntig uf dr Dsischtig wach i im Huus am Hörnli plötzlich uf. I lieg bachnass ufem Rugge und ha s Gfühl, als brennt Mitte uf dr Bruscht e Füür. I ha mi chönne bewege, ha süsch kei Schmärz verspührt. Aber das Gfühl, es brennt e Füür uf dr Bruscht, het mi scho e weneli in Panik brocht. I bi zum Bett us und uf s WC im obere Stock, wo au mi Schloofzimmer gsi isch. Ha e Tüechli gno und mi mit chaltem Wasser abgwäsche. Herrlich, dass het so richtig guet do. Ha aber gmerkt, dass brenne isch do. I ha e grosses Badtuech mit ins Bett gno und bi wieder i gschloofe. Fasch genau 2 Stund spöter wach i wieder schweissgebadet uf. S brenne uf dr Bruscht isch wieder so stark gsi wie am Afang. Bi mi nomol uf dr Toilette go wäsche und abchuele und bi denn ufs Bett gsässe. Zum Huusarzt chan i ersch ab de 8i. Nei, warte isch mr z riskant. Ha e Trainer a zooge und bi die 12 Meter Träppe wo vum Huus zur Stroos obe führt uffegloffe. Bi ins Auto gstiege und ab uf e Notfall ins Bruederholz. I seh d Ample uf dr Stroos hüt no orange blingge. Sie sin nonig in Betrieb gsi und d Stroose leer. So isch`s e churzi, schnälli Fahrt gsi.

Dr Arzt het e bereits vorhandeni Verängig in dr rächte Härzchranz-Arterie festchgschtellt. Durch e Bluetgrinsel hets die Arterie komplet verschlosse, s Härz nur no zur Hälfti mit Bluet und Suurstoff versorgt und do demit dä Zuestand usglöst. S Gfühl vumene Brenne uf dr Bruscht. Atemnot oder e rasends Härz han i nid verspührt, doch isch s Ganze e schwere, akute Härzinfarkt gsi, wo`s um Minute gange isch. Durch e notfallmässige Igriff het me mir e Röhrli vu dr Hüft duur de Oberkörper in Richtig Härz zur Schlüsselstell an dere Arterie gführt.

Jetzt chunnt us minere Sicht de reini Wahnsinn, oder churz gseit e riese Bewunderig vu dr hütige Medizin. Was heisst „hütige“, dass Ganze isch au scho wieder 11 Joor här. I vergiss das nie und ha`s hüt no vor Auge. I lieg im Bett und linker Hand, 20/30cm vor mir hängt e grosse Screen an dr Wand. I ha live chöne zueluege wie dr Azt mir e medikamäntbeschichtete Stent durch das Schlüchli bis zum entscheidende Punkt gführt het. Dä het sich wie e Ballönli göffnet und so het mr ihn dört hinterlegt. Natürlich nimm i au sit über 10 Joor Medikamänt und i hoff dä Stent vollbringt si Arbeit no e langi Zyt. Bim Röntge het mr wieder e erfolgriche Bluetfluss feschtgschtellt.
I ha e riese Rüffel kriegt, dass i gwartet ha und denn no in eigener Regie ins Spital g fahre bi. Will Minute zellt hän, hät i scho bim erschte Ufwache am Zwei, de Notfall sötte a lüte. Es isch nümm nur Glück wo i gha ha. Ich vordere s Schiggsaal no use, dass chas nid si. I ha ihne müesse rächt geh. S Positive, wenn meh das überhaupt so darf saage. Zu de wüeschte Naarbe wo i 8 Monat vorhär durch d Darm-OP gfasst ha, het`s diesmohl üsserlich sozusage kei Narbe geh. I lieg immer no im Bett und de Arzt meint, in 2 Tag chan i wieder go schaffe. I däm Momänt lauft e Kolleg vum Arzt verbie, sie grüesse sich und de Arzt verzellt sim Kolleg vu mim Vorfall.

„Gligg und Päch git`s sich d Hand“
doch drüber stoot eimool meh e Schutzängel, denn…

Ca. 3 Minute spöter, zäme luege sie uf dä Farb-Screen näbe mir an dr Wand, seit de Kolleg zum Arzt: „Du, lueg emol was isch das?“ Zeigt mit em Finger uf em Bildschirm uf e „chlei, grau schwebende Flägg“ näbem Härz. Ich seh`s au, s Härz isch dreidimensional dargstellt und är seit: „Lueg do, die näggscht „Wulche“, drey emol s`Härz!“ Tatsächlich seht`s us wie e chleini Wulche wo vom Härz e wäg schwebt. No eins und jetzt chunnt no eins…. „Das isch Bluet, lueg do isch e Loch im Härz!“ sait dr Kolleg vum Arzt. Ich chriedeblaich, was goht denn jetzt ab!? Dr Arzt und sie Kolleg entsetzt (meh chas nid andersch sage, dass han i no realisiert) ab ins Uni-Spital „luegsch für e Notfall-Waage“ seit dr Arzt zum Kolleg. Und genau ab däm Zytpunkt cha mr saage „Filmriss“.

Während däm „Filmriss“ wird i notfallmässig in e anders Spital überfüehrt. Jetzt het vermuetlich eimohl me e Schutzängel si Hand im Spiel gha. Wenn me das „Spiel“ nenne cha. Katastrophe wär vermuetlich s bessere Wort. Anschienend isch e sehr riskante und komplizierte Ygriff am Härz bevorgstande. Chirurge wächsle täglich vu mene Ygriff zum nägschte. E mir bevorstehendi OP isch scho mohl um 4 Std. verschoobe worde. Es isch e schlimmere Notfall i troffe. S Gligg i däm Momänt isch gsi, dass e „Koryphäe“ vomene Härzchirug grad vor Ort gsi isch, Zyt gha het und nid mit emene Ygriff beschäftigt gsi isch und vor allem mi Ygriff als Herussforderig a gluegt het. S Gligg het s guet gmeint und i ha`s doch no dörfe erlääbe ihn, e international anerkannte und renommierte Härzchirug dörfe kennelerne. Doch bis es sowit cho isch hän gsamthaft 4 Ärzt innert 2,5 Std. e enormi Glanzleischtig, nei e Kunschtwärk oder sogar e Wunder vollbrocht. Ich verneig mi für de Räscht vu mim gschänggte Lääbe in voller Demut und Dankbarkeit. Um s Befinde vumene Patiänt sprich vu mir, amene Laye e weneli nöcher z bringe, folgt e Usschnitt us em Arztbricht vu däm Ygriff. Das, innere chlei verständlichere Sprooch:

Der Bericht beschreibt eine sehr schwere, technisch anspruchsvolle und lebensrettende Operation am offenen Herzen.
Ursache für den Eingriff war ein schwerer Herzinfarkt, der zu einem Loch in der Herzscheidewand geführt hat. Das Gewebe um das Loch herum war durch den Infarkt extrem brüchig und abgestorben, weshalb das Annähen des Flickens für das Chirurgenteam eine enorme Herausforderung darstellte.

1. Zugang und Anschluss an die Herz-Lungen-Maschine

  • Schnitt und Eröffnung: Nach der Desinfektion wurde das Brustbein in der Mitte der Länge nach durchtrennt und der Herzbeutel geöffnet.
  • Blutverdünnung: Die Anästhesie hat ein Medikament gegeben. Das ist zwingend notwendig, damit das Blut nicht gerinnt, wenn es gleich durch die Schläuche der Maschine fliesst.
  • Anschluss an die Maschine: Es wurden Kunststoffschläuche (Kanülen) in die Hauptschlagader und in die beiden grossen Hohlvenen eingelegt. Das Blut wurde nun an die Herz-Lungen-Maschine umgeleitet, die während der OP die Funktion von Herz und Lunge übernahm.
  • Herz ruhigstellen: Es wurde künstlich ein Kammerflimmern erzeugt, damit das Herz aufhört zu schlagen und stillsteht. Über ein Entlastungsventil wurde überschüssiges Blut abgesaugt. Das Herz wurde leicht angehoben, und an der Rückwand der Herzkammer wurde ein Schnitt gesetzt, um freie Sicht auf das Loch zu bekommen.

2. Das Ausmass des Infarkts und der Flick (Patch)

  • Der Befund: Im Inneren zeigte sich das ganze Ausmass der Katastrophe: Ein ausgedehnter, schwerer Infarkt hatte fast die gesamte Trennwand und grosse Teile der linken Herzkammern-Rückwand zerstört. Das Gewebe war quasi „aufgelöst“.
  • Das Loch abdecken: Um das Loch zu verschliessen, wurde ein Flick aus biologischem Material (Rinderherzbeutel) eingesetzt.
  • Das Problem mit dem Gewebe: Der Flick wurde zuerst mit dicken Fäden und einzelnen Knoten fixiert. Da das infizierte/infarzierte Gewebe jedoch extrem fragil (brüchig wie nasses Papier) war, fanden die Nähte kaum Halt. Sie rissen immer wieder aus, weshalb die Ärzte viele Nähte doppelt setzen und mit kleinen Filzplättchen verstärken mussten, damit das Gewebe nicht weiter einreisst.
  • Zusätzliche Sicherung: Nachdem der Flick mit Einzelknoten mühsam befestigt war, wurde der Rand zusätzlich mit einer fortlaufenden Naht rundherum dicht genäht.

3. Verschluss des Herzens und Rhythmusstörungen

  • Herzkammer schliessen: Der Schnitt in die Herzkammer wurde wieder zugenäht. Dabei wurde der Flick direkt in diese Verschlussnaht mit eingebunden. Auch diese Naht wurde mit Filzstreifen verstärkt. Es wurde eine spezielle, stark stabilisierende Doppelnaht-Technik verwendet.
  • Herz wiederbeleben: Das Herz wurde zurückgelegt und erhielt einen gezielten Stromstoss (einmalige Defibrillation), um wieder anzuspringen.
  • Schwerer Ausfall des Taktgebers: Durch den schweren Infarkt und die Nähte an der Trennwand wurde das elektrische Leitungssystem des Herzens dauerhaft zerstört. Es kam zu einem AV-Block III° (Grad 3). Das bedeutet: Die elektrischen Signale aus den Vorhöfen erreichen die Herzkammern überhaupt nicht mehr; das Herz würde ohne Hilfe viel zu langsam schlagen oder eifach stillstehen.
  • Schrittmacher-Implantation: Die Chirurgen reagierten sofort. Sie nähten Notfall-Drähte auf das Herz (temporäre Drähte) und implantierten direkt im Anschluss auch die dauerhaften Drähte (permanente Drähte). Unterhalb des linken Schlüsselbeins wurde eine Hauttasche gebildet, in die ein moderner Dauer-Schrittmacher eingesetzt und mit den Drähten verbunden wurde. Dieser übernimmt ab jetzt vollständig das Kommando über den Herzrhythmus.

4. Kreislaufstütze und schwere Gerinnungsstörung

  • Durchblutung und Pumphilfe: Das Herz wurde wieder vollständig durchblutet. Da das Herz aber extrem geschwächt war, wurde über die Leistenarterie eine mechanische Herzpumpe eingeschoben, um das Herz bei der Pumparbeit zu entlasten.
  • Das Gerinnungsproblem: Durch den langen Einsatz der Herz-Lungen-Maschine kam es zu einer massivsten Blutgerinnungsstörung – das Blut war extrem dünn und gerann kaum noch. Das Team musste nach dem Abschalten der Herz-Lungen-Maschine lange im Operationssaal abwarten und Medikamente geben, bis sich die Situation einigermassen stabilisierte und die Blutungen nachliessen.
  • Der Verschluss: Es wurden Kunststoffschläuche eingelegt, um Wundwasser und Blut nach aussen abzuleiten. Der Herzbeutel wurde absichtlich offengelassen, damit das geschwollene Herz genug Platz hat. Das Brustbein und die Hautschichten wurden anschliessend stabil verschlossen.

Zusammenfassung

Der Patient hatte einen medizinischen Rieseneingriff. Dass das Kontroll-Echo jetzt keine unerwünschten „Blut-Kurzschlüsse“ mehr zeigt, ist ein riesiger Erfolg des Chirurgen-Teams, denn das Annähen im kaputten Gewebe war hochkomplex. Das Herz bekommt jetzt Zeit, sich mit Hilfe des Schrittmachers, der Ballonpumpe und der Intensivmedizin zu erholen.

Zwei Tag spöter Bruschtchaschte gschlosse, han i s Lääbe uf dr Intensivstation wieder wohr gno. Wouw, was isch in dere Zyt passiert. Es sich s reale Lääbe wo i wieder bewusst wohr gno ha. Betonig uf „real“. Denn i cha mi erinnere und seh`s hüt no vor mr, do isch no öbis…… . Real oder nid !? Doch, irgendwie real. Denn i ha`s gseh, Temperature wohr gno, sprich gschpüürt am ganze Körper und vor allem han i chöne bewusst uf e mir erschieneni Froog, noch längerem hin & här e Entscheidig chöne träffe. Wie lang dä Momänt gsi isch, kai Ahnig. Aber dä Momänt seh i hüt 11 Joor spöter no vor mr. Do chum i spöter druff zrugg, denn do het sich e anders, neus und mir unbekannts Kapitel in myne Memoire uf do.

2 Tag spöter bin i zur Genesig wieder in die normali Bettestation cho. Mir isch so richtig bewusst worde, dass e Patient wo so e Genesig elai muess bewältige, sprich ohni Aghörige und vertraute Bekannte……., schlimm.
Es sich für mi die wärtvollschti Medizin und Unterstützig zur Genesig gsi, mini Liebschte wieder in d Arm ha chöne neh. So bewusst und stark die Gfiehl in so Momänt zwüsche Familie und Nochstehende wohr gno wird, isch eimolig und unbeschrieblich. Schlimm nur, dass es zum Teil so „Zwüschefäll“ bruucht, damit eim bewusst wird, was doch eigentlich het, und viel mehr schätze sött.

No am gliiche Daag chunnt e Herr zu mir ans Bett. Gross, beidruggendi Statur und stellt sich als Bröfässer Dokter med. vor. Är sig dr operierendi Arzt, wo mi Ygriff gmacht und gleitet het. Jo, au für ihn als Brofässer sig mi Fall e rächti Herusforderig gsi. I heb i meh als Gligg gha. Denn seit är cool zue mr (dä Satz het sich i prägt) : Herr Schmid, i ha no zu allem ahne „e goldige Fallschrim“ müesse setze. E Härzschrittmacher. Dä sött sone Vorfall e näggscht mohl, versueche z verhindere.

E härzligs Bedanke, me isch im Momänt nid drin gläge. Natürlig wär i am liebschte zum Bett us gsprunge und hät ihn umarmt. Aber das muess zersch alles verarbeitet wärde. Es bruucht aschliessend e Reha und i bi Gotte froh gsi, dass das Spital e Reha abotte het. I ha zwar unterdesse in Dütschland gwoht, aber i ha vor mim Huus in Bus, diräggt ins Spital chöne fahre, top! Denn i ha wieder Hei chöne, die bescht Medizin! Ha mir sÄsse während dr Reha, in Gränzach täglich Hei lo cho loh. So han i au nid müesse die 12 Meter Träppe uffe und abe laufe. Die Träppe wird spöter imene andere Kapitel, no e rächti Rolle spiele. 11 Tag spöter han i s Spital chöne verloh und die Reha in Agriff neh.

Ersch wenn me 1 Wuche spöter de Arztbricht liest, wird eim bewusst: Dä Vorfall isch meh, als e „Schuss vor e Bug“ gsi. Scho s zweit mohl bin i am „Tod vu dr Schippe gschprunge“. Du verstosch es, dass i das als mi dritti Geburtstag fier und jöhrlich churz inne halt.

Es zeigt mr au, do z Basel sin mr unter anderem bezüglich Darm- und Härzgschichte beschtens ufgestellt. Heb Vertraue! Doch s wichtigscht isch, überhaubt in d Händ vu dene Spezialischte z cho, heisst: Nimms Telefon in d Hand! E riese und berächtigte Rüffel wo i vu Ärzt gfasst ha isch: „Studiere sie nid lang ume! Und ersch rächt Herr Schmid, fahre sie nid elei uf e Notfall ! Für das hämmer d Notfallnummere.

Nimm dr z Härz! Wenn privat uf e Notfall gosch, stöhn (immer) no anderi Lüt a, und Du muesch zersch die „Problem“ schildere (wenn das no chasch). Heisst Du forderisch ei mohl me s Gligg use. Wählsch d Nummere, wirsch scho bim abfahre vor Ort untersuecht. Und vor allem chöne sie de Ytritt ins Spital scho vorbereite, denn…

„Minute oder Sekunde, entscheide über Lääbe und Tod“!

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