Mir, e Meuti vo 15- und 16-jährige Teenager, sin voller Elan 1981 mit dr Schuel in Gnuss cho, dr Film ‚Wir Kinder vom Bahnhof Zoo‘ go z luege. E paar Monet vorhäär isch au erschtmoolig die schrecklichi Serie ‚Holocaust‘ im Färnseh cho. Die isch denn au in dr Schuel thematisiert worde. Wo s letschte Schueljoor cho isch und mir sälber hänn dörfe beschtimme, wo d Abschlussrais aane söll, hämmer Berlin vorgschlage. Mir hänn dänggt, mir versueche’s – obwohl mir nid dra glaubt hänn, dass es klappe chönnt. Dä Film vom ‚Bahnhof Zoo‘ in Berlin und au die Serie im Färnseh hänn bi uns allne Spuure hinderloo, und dank unserem coole Klasselehrer isch s Unglaubliche woohr worde. Mir hänn packt: ab nach Berlin!
D Fahrt ab Basel Badische Bahnhof het voll freudiger Schtimmig agfange. Noch lange sächs, siebe Schtund ‚Scheiaweia‘ het sich d Schtimmig ziemli schnäll gänderet. Dr Zug isch langsamer worde, bis är denn zum Schtillschtand cho isch. Eigentlich hänn mir uns gfreut, uff das hämmer jo gwartet. Doch e Bligg sitzend nach rächts und links het kei Bahnhof zeigt. Es isch spote Nomiddag gsi, dusse riesigi Flechene Wiise, und d Minuute sin verschstriche, bis e sältsami Ungwüssheit uffcho isch. Ab ans Fänschter, aabe und usseluege. Wow! Dusse patroulliere etlichi Soldate mit Schäferhünd em ganze Zug entlang. D Schtimmig isch schlagartig jämmerlich kippt. Anscheinend sueche die öpper – doch dr Lehrer het uns eines Besseren belehrt: Das sig die täglichi, normali Gränzkontrolle. Gränzkontrolle, will d Stadt Berlin mit em Hauptbahnhof e politischi ‚Enklave‘ gsi isch. Sprich: komplett umgää vo dr domolige DDR. Das sogar mit ere hoche Betonwand (d Muure) und einige Gränzübergäng. Die ganz Verwaltig vo dr Stadt Wescht-Berlin mit em Hauptbahnhof isch nid vo dr DDR, sondern vo de Weschtalliierte verwaltet worde.“
Uff eimool hätt me d Luft im Zug chönne schniide. S Lache isch uns allne im Hals schtegge bliibe. Unse Klasselehrer het alli Päss iigsammlet, währenddäm mir au wieder hänn miesse aanesitze und d Fänschter schliesse. Bilder vo dene schreckliche Szene us dr Holocaust-Serie sin uns uff eimool durch dr Chopf gange. Im Zug het absoluti Rueh gherrscht. Us unserne freudige, freiheitsverwöhnte Basler Gsichter isch d Farb gwiche. Uns het’s regelrächt dr Maage gchehrt. Mir hänn uns gfroogt: ‚Was für Mensche erwarte uns doo? Was mien die für schrecklichi Sache erläbt ha und was chunnt no uff uns zue?‘ In däm Momänt isch d Gschicht, wo mir numme us em TV kennt hänn, uff eimool bitteri Realität worde. D Bilder vo de Soldate mit ihrne Hünd hänn sich tief iibrennt, so dass ich se hüt no g`seh.
Mir hänn gwüsst, uns erwarte Schauplätz us em Film: dr Bahnhof Zoo, s Muur-Museum, s Brandeburger Tor und s Olympiastadion. Und mir hänn plant, emol sälber über dr „Checkpoint Charlie“ in d DDR z goh. Unseri Eltere hänn uns scho uff dr Wäg gää, dass das kei Märli sig, wo mir im Färnseh gseh hänn, sondern bitteri Wohret. Ich vergiss nie: Mis Mami, uffgwachse uff em Hof, het mir verzellt, dass sie hänn miesse d Glühbiire in de Lampe blau aamole, so dass sie z Nacht glich hänn chönne s Liecht aloo, ohni dass se d Flieger hänn chönne seh. D Angscht het d Überhand gnoo. Denn obwohl d Schwyz offiziell neutral gsi isch, hänn im Zweite Wältchrieg Navigationsfähler, schlächts Wätter und Verwäggslige mit dytsche Schtädt drzue gfiehrt, dass britischi und amerikanischi Flieger irrtümlicherwys etlichi Bombä über dr Schwyz abgworfe hänn. Insgesamt hänn die alliiertä Bombäabwürf zwüsche 1940 und 1945 offiziell 84 Mänschelääbe uff Schwyzer Bode koschtet.
Doch zrugg zur Zugfahrt. D Angscht us „Bahnhof Zoo“ und die düschtere Schatte vo dr Holocaust-Serie sin verschmulze mit dr Ungwüssheit vo dr Gränzkontrolle. Es isch nümm drum gange, e bitzeli Berliner Luft z schnuppere. Es isch drum gange, d Realität vo de Mensche dert z erläbe und z begryffe. Dert in däm schtille Abteil, während d Soldate d Wääge cheggt hänn, isch uns klar worde: Das isch kei Klasserais wie jedi anderi. Das isch e Begägnig mit dr Gschicht, wo uns bis in d Chnoche gfahre isch. Mir hänn uns zämmegrisse, aber d Froog isch bliibe: Wie wird’s sii, wenn mir dert d Luft schnuufe, wo d Freiheit durch e Muure abgschnitte isch?
Dä Schtopp in dr Dunkelheit het uns zeigt, wie schmal dr Graad zwüsche Freiheit und Beklemmig isch. Die Bilder vo de Soldate mit Hünd sin bliibe. Als Mahnig an e Zyt, wo d Wält no in Chalt und Warm, in Dinne und Dusse teilt gsi isch. Doch hüt, wenn ich zrugglueg, bliibt näbe dr Gänsehuut au e tiefi Dankbarkeit. Mir hänn dörfe erfahre, dass Muure chönne falle und dass d Angscht vo me 16- oder 17-Jährige nid s Ändi vo dr Gschicht muesst sii. Es isch d Hoffnig, wo uns lehrt, dass mir d Freiheit nie als sälbschtverständlich dörfe a`luege. Mir hän dertzmool am eigene Lyyb dörfe gspüre, wie koschtbar sie isch.
„Checkpoint Charlie“ und e Suppe ohni Brot
„Trabi“, 25 Mark, grau in grau und e Schlange vor em Begg.
Am Gränzübergang „Checkpoint Charlie“ hämmer uns uf dr DDR-Bsuech vorbereitet. Mir hän d Päss wieder em Klasselehrer miesse abge und, dass muesch dr emol vorschtelle, alles Gäld bis max. 25 Mark, an dr Gränze abgeh. Unfassbar! Doch zum Vorgriffe, mr hän jede Rappe sorry, Cent wieder kriegt. Chuum simmer uf dr andere Sitte gsi, sin uns die ganz chlyne Auteli ufgfalle, die sogenannte Trabis. Und uf 10, 15 Trabi, isch ei grosse Waage cho. Meischtens e Mercedes. Doch alli grau, schwarz, Hauptsach dunkel. Und denn vor uns: Sicher 20 Lyt stöön in ere Schlange uf em Trottoir. Mir hänn uns gfrogt, was isch dört loos ? Veruggt, es isch e Begger-Laade, wo numme ab und zue am Tag e paar Brot und Baggware im Agebot het. Für uns, unvorstellbar.
“ Wenn i zrugg dängg, seh i d Schlange vorem Begg hüt no vor mr. Sie isch e Symbol worde für alles, was mr dozumool als sälbschtverständlig a gluegt hän. Dr „Checkpoint Charlie“ het uns zeigt, dass d Farbe im Läbe nid numme us schöne Chleider bestöön. Sondern us dr Freiheit, dört dörfe z Sitze, wo mr will und das z Ässe, was me grad Luscht het. Es isch d Hoffnig, dass mr die Lektion nie vergässe, au wenn d Wält hüt leider widr neui Gränze setzt.“
Was uns au ufgfalle isch, sin mir sälber gsi. Mir in unserne Jeans, de farbige Shirt, Jäggli oder Pullover. D Lyt hänn uns bemuschtered. Sie hän fasch nume Grau, Schwarz oder Dunkelblau trait. Das het bi uns e richtig bedryggends, fremds Gfühl usglöst. Mr hän Hunger gha und wo mir uns (es isch au e zytlig, begränzte Tripp gsi) denn in e Restaurant an öppe nün Tisch verteilt hän, isch dr Källner zum Lehrer gange. Är, dr Lehrer, het uns denn mitteilt, dass mir nid unter de Yheimische dörfe sitze und het uns in e separate Saal bätte. S Einzig wo’s gäh het, isch Kaffi, Sirup und zum Ässe e Suppe. Ok, mr hän uns die Sprochlosigkeit nid welle a merke loh. Wo dr erscht noch eme Stück Brot g frogt het hän mr gwüsst, jeglichi witeri Froog noch Brot, chönne mr uns schängge. D Suppe het de meischte am Ändi sogar gschmeggt, si isch währschaftlich guet gsi. Und ok, Brot hän sich jo au die I Heimische chuum chönne leischte. wenn`s denn überhaupt geh het.
„Hüt, über fuffzig Joor spöter, gseht d Wält wieder erschreckend ähnlich us. Wenn ich d Nochrichte lueg, gseh ich wieder Bilder vo Gränze, Soldate und dr Ungwüssheit, wo eim d Luft zum Schnuufe nimmt. Es macht eim beklemmt z gseh, dass d Gschicht sich im Chrais drayt und mir hüt nid viel witter sin. Doch genau dert liegt d Hoffnig. Mir, wo dozumool im Zug ghoggt sin, hänn erläbt, dass s letschte Wort nonig gsproche isch. D Freiheit het immer wieder s Potenzial, sich ihre Wäg z bahne.“